Nach Hause wollen wir immer noch nicht – PillerseeTal (Teil 2)
Manch einer mag behaupten, dass die Österreicher einen Hang zu Superlativen haben. Das größte Schnitzel, die wildeste Abfahrt, die schnellste Gondel, usw. Manchmal sind es aber vielmehr die kleinen Highlights, die besonders für Familien eine willkommene Alternative bieten zu den groß beworbenen „Musst Do’s“ und „Musst See´s“. Der zweite Teil unserer PillerseeTal Story widmet sich genau solchen stilleren Erlebnissen. Und startet mit ein paar Tausend kleinen fleißigen Bienchen…
Es ist Nachmittag in St. Ulrich am Pillersee in Tirol. Die Sonne scheint und die beiden Berlet Herren sind bereit für eine weitere Entdeckungstour. Am morgen waren wir bereits im aufregenden Triassic Park, der Nachmittag darf etwas entspannter werden. Schließlich wollen wir unseren kleinen Kerl nicht mit Reizen überfluten. Wir fahren also den See entlang, lassen uns treiben schauen, was sich ergibt. An einem Parkplatz ist ein Bienenlehrpfad ausgeschildert. Das klingt doch nach einer schönen Sache, zumal die Kids in unserer Berliner Hood immer freudig die Bienen und Hummeln bei ihrer Arbeit beobachten.
Wir folgen also den illustrierten Bienenschildern in den Wald, vorbei an einer hölzernen Maja. Entlang des Weges erläutern Infotafel Wissenswertes rund um die nützlichen Insekten. Mikkel interessiert sich kein Stück für das, was ich ihm vorlese, ist aber bester Laune und intensiv damit beschäftigt, den perfekten Wanderstock zu finden. Wir gehen weiter, folgen dem kleinen geschwungenen Pfad und gelangen schließlich zu einer Holzhütte. Auch hier ist ein Bienenschild angeschlagen.
„Mikkel, wollen wir da mal reinschauen?“– „Jaaaaa!!!“, lautet die Antwort. Vorsichtig drücke ich die Klinke nach unten. Die Tür lässt sich tatsächlich mit dem obligatorischen Knarzen öffnen. Ich schaue vorsichtig um die Eck – bekomme den Schreck meines Lebens und mache erst einmal einen Satz zurück. Mikkel bekommt sich nicht mehr ein vor Lachen. Da drin sitzt einer. Im Imker Outfit. Eine Puppe, wie in einem Gruselfilm…
Unser Junior kennt keine Gruselfilme. Er hat nur meine Reaktion gesehen und findet das grandios witzig. Der Imker interessiert ihn nur so bedingt, als ich erneut die Tür öffne und ihm die Figur in dem merkwürdigen Outfit zeige. Aber was soll´s, wir haben beide Spaß. Und das ist doch die Hauptsache an diesem Nachmittag.
Wir schauen uns natürlich auch noch die emsigen Bienen selbst bei der Arbeit an. Denn sowohl an der „Grusel-Hütte“ als auch an einer weiteren verwunschenen Holzhütte inmitten einer Blumenwiese und an vielen weiteren Stellen entlang des Weges sind aktive Bienenstöcke beziehungsweise Bienenvölker zu entdecken. Alles summt und brummt in diesem Waldstück. Ein deutlich schönerer Klang als der einer Großstadt. Der Klang von Urlaub.
Ein letzter Aufstieg, ein letzter Ausblick…
Am nächsten Morgen machen wir uns zu Dritt auf zum Jakobskreuz auf dem Gipfel der Buchensteinwand, dem vielleicht schönsten Aussichtsberg im PillerseeTal. Das überdimensionierte Kreuz sieht man jedenfalls schon von Weitem. Wir sind beeindruckt und gleichzeitig nicht ganz sicher, was wir nun davon halten sollen. In jedem Fall ist es ein mächtiger Koloss – da oben auf dem Berg. Ein Publikumsmagnet. Aber genau das wollen wir heute nicht unbedingt. Wir gondeln trotzdem rauf auf den Berg und bestaunen das imposante Gebäude, lassen das Kreuz dann aber doch schnell hinter uns und machen wir es den Bienchen vom Vortag gleich: Wir begeben uns auf den Blumen(lehr)pfad.
Der 1,5 Kilometer lange Weg ist genau das Richtige für uns an diesem Tag. Ein schmaler Steig führt weg vom Kreuz, hin zu einem schönen kleinen Spielplatz am Rande eines Speichersees, in dem sich zahlreiche Fische tummeln. Der Weg selber bietet dabei immer wieder spektakuläre Ausblicke, teilweise an recht steil abfallenden Hängen. Wir behalten Mikkel lieber an der Hand oder nehmen ihn auf die Schulter – denn die Kraxe ist heute im Auto geblieben.
Weitere Wanderer auf dem Blumenlehrpfad lassen sich an diesem Tag an einer Hand abzählen. Mir bleibt es schleierhaft, warum hier so wenig los ist – im Vergleich zur Terrasse des Restaurants Weitblick, so sich die Ausflügler tummeln. Aber was soll’s, unterm Strich bin ich nicht traurig, dass kaum einer den kleinen Blumen-Loop gegangen ist und wir dadurch eine wunderbare Zeit nur für uns alleine im schönen PillerseeTal hatten. Manchmal ist das vermeindlich Unspektakuläre spektakulär genug.
Doch irgendwann heißt es auch für uns wieder Abschied nehmen. Nach Hause wollen wir eigentlich immer noch nicht. Aber man soll ja bekanntlich aufbrechen, wenn es am Schönsten ist. Und dass wir sicher bald noch mal ins PillerseeTal zurückkehren werden, steht ohnehin außer Frage. Bis bald in den Bergen…
Wir bedanken uns beim Tourismusverband des PillerseeTals für die Unterstützung dieser Reise. Der Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation, spiegelt jedoch uneingeschränkt die Meinung und Eindrücke der Autoren wieder.
Weitere Informationen: https://www.kitzbueheler-alpen.com/de/pital/pillerseetal.html